Kommentar zu Tizen 2.3 und Samsungs Entscheidung gegen OSP

Im letzten Jahr sorgte die Veröffentlichung von Tizen 2.3 für Frust bei vielen Entwicklern. Ohne vorherige Ankündigung wurde der Support für OSP (dem bada C++-Framework) entfernt und keine passende Alternative geboten. Dieser ‚Paradigmenwechsel‘ sorgt nun dafür, dass viele Entwickler auf ihrem alten Code sitzen bleiben, denn ein Migrationstool oder ähnliches gibt es nicht und eine manuelle Portierung ist mit erheblichen Aufwand verbunden.

Kurz zusammengefasst, ehemalige bada-Entwickler müssen somit wohl wieder bei Null anfangen. Seit Tizen 2.3 wird statt OSP und C++ wieder ausschließlich auf EFL und C für die Entwicklung nativer Apps gesetzt. Begründet wird diese Entscheidung damit, dass C und EFL weniger Ressourcen benötigt und damit auch für leistungsschwächeren Geräten wie z.b. Wearables besser geeignet sein könnten. „Könnten“ – denn nach wie zuvor kann man zum Beispiel für die Gear Smartwatches nur in JavaScript, HTML5 und CSS entwickeln.
Ob die betroffenen Entwickler nun ihre nativen OSP Apps für Tizen 2.3 fit machen, darf bezweifelt werden, ebenso wie die schnelle Rückkehr von OSP in das Tizen-Projekt.
Immerhin beinhaltet das kürzlich veröffentlichte Tizen SDK 2.3 Rev2 wieder einen nativen UI-Builder, damit lässt sich zu mindestens in kürzerer Zeit die Oberfläche der Apps nachbauen. Ein Großteil der App müsste dann aber nach wie vor quasi neu geschrieben werden.

Auch WebApp-Entwickler müssen ihre bisherigen Apps für Tizen 2.3 fit machen. Samsung hat Apps die das Tizen Webframework aus den älteren Tizen-Version nutzen auf Suspend gestellt. Zwar wurde für WebApp-Entwickler eine Schnittstelle für die Abwärtskompatibilität in TAU (Tizen Advanced UI) integriert, allerdings müssen dafür teils Änderungen an der HTML-Struktur vorgenommen werden und auch im JavaScript.

Für uns sieht es im Moment so aus, als ob sich die Tizen Foundation bzw. Samsung mit dieser Entscheidung ein wenig selbst ins Knie schießt. Denn der Zeitpunkt für eine solch gravierende Änderung ist denkbar unglücklich gewählt. Letztes Jahr wurde der Start des Samsung Z in Russland kurz vor dem Marktstart verschoben. Gerüchten zu folge sei man damals unzufrieden mit der Menge an Apps gewesen. Im Januar diesen Jahres wurde offiziell das erste Tizen-Gerät veröffentlicht mit Anbindung an den TizenStore. Das dazugehörige SDK wurde lediglich ein Monat vorher zur Verfügung gestellt, wenig Zeit für Entwickler die teils durch den Port-A-Thon ihre alten Apps mit Hilfe des bada-Migrationstool für Tizen fit gemacht haben. Auch ist eine solch gravierende Änderung innerhalb der Versionierung des OS eher unüblich, eine Einführung in Tizen 3.0 erschiene als realistischer und „nachvollziehbar“.

Autoren: Marco Büttner & Patrick Mortara

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